Konspirative WohnungenConspiracy Dwellings

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Pam Skelton

video still


Conspiracy Dwellings
5-Kanal-Videoinstallation

Pam Skeltons Videoarbeit Conspiracy Dwellings (2007) betrachtet die Stadt als dreidimensionalen Plan, der die konspirativen Wohnungen im Rahmen eines umfangreichen 5-Kanal-Videoportraits der Stadt als feste Bestandteile der Stadtarchitektur situiert und nicht mehr nur als "Leerstellen", die in die urbane Geographie eingegangen sind. Zwischen 2004 und 2006 war Pam Skelton zu Fuß und mit dem Fahrrad in Erfurt unterwegs, filmte die 482 konspirativen Wohnungen und Stasi-Häuser, die von 1980 bis 1989 aktiv waren, in den Vierteln, in denen sie sich befinden, und übernahm damit die Rolle einer Archäologin zeitgenössischer Geschichte, einer "Malerin des modernen Lebens". Conspiracy Dwellings präsentiert die Stadt im 21. Jahrhundert als hyperrealistische Landschaft in Technicolor, in der immer die Sonne scheint (was auch tatsächlich so war) und in der jede einzelne konspirative Wohnung anhand ihres Decknamens und ihrer Stasi-Registrierungsnummer identifiziert und in den Kontext ihrer unmittelbaren Umgebung gestellt wird. Jeder der fünf Video-Kanäle widmet sich einem Stadtteil von Erfurt - 1. Altstadt und zentrale Einkaufsstraßen, 2. Juri-Gagarin-Ring, 3. Vororte Erfurt Nord, 4. Neuere Vororte im Norden und 5. Erfurt Süd - und wird, ergänzt durch begleitendes Dokumentations- und Informationsmaterial, an einem der folgenden Veranstaltungsorte gezeigt.

Kanal 1: Altstadt und Zentrum von Erfurt (DVD mit Ton, 24,4 Min.); Ort: Foyer des Rathauses
Kanal 2: Juri-Gagarin-Ring (DVD mit Ton, 17,26 Min.); Ort: Hotel Radisson, Foyer, Juri-Gagarin-Ring
Kanal 3: Erfurt Nord (DVD mit Ton, 23 Min.); Ort: "Glasbox", Universität Erfurt
Kanal 4: Nördliche Stadtbezirke (DVD mit Ton, 36,42 Min.); Ort: Stadtteilbibliothek, Berliner Platz
Kanal 5: Südliche Stadtbezirke (DVD mit Ton, 34, 06 Min.); Ort: Foyer des Thüringer Landtags
Die gesamte Arbeit wird als 5-Kanal-Installation im Kunsthaus Erfurt gezeigt.



C.CRED [Collective CREative Dissent]

Permanent Ignition: Stasi Edits
Audioinstallation

Ausgehend von dem Gedanken, dass wir im übergreifenden Rahmen von Conspiracy Dwellings die spezifischen geschichtlichen Gesichtspunkte erkunden und in eine weiten, kontextuellen Zusammenhang bringen sollten, der es einer Vielzahl von Meinungen und Erzählungen ermöglicht, gleichzeitig artikuliert zu werden, begann C.CRED im August 2007 damit, eine Serie von Gesprächen mit Menschen vorwiegend aus Erfurt und Umgebung. Für die Ausstellung werden die aufgenommenen Gespräche in eine polyphone Audioinstallation umgewandelt, die unterschiedliche Geräuschquellen bezogen auf spezifische Themen aus den Gesprächen zusammenfasst. Wir hoffen, dass diese Installation, und die Tonspuren, die hineinführen, zugleich konstruieren und problematisieren, helfen auszudrücken und zu verschweigen; kristalline Bilder einer Geschichte, die niemals besessen werden kann, aber deren Funktion es ist, uns immer wieder unser unwiderrufliches Recht zu vergewissern, zu widersprechen.

Internetseite der Künstlergruppe C.CRED zu ihrem Ausstellungsbeitrag: http://www.permanentignition.org

Tina Clausmeyer

Visualisierung der konspirativen Überwachungsarchitektur des Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen DDR
- Erfurt als Modellstadt -

Die vorliegenden Bilder konzentrieren sich auf die geografische Spannweite der gesamten Überwachungsarchitektur des MfS in Erfurt während der 1980er Jahre. Jeder geheime Treffort wird durch ein Bild dargestellt. Insgesamt wird so ein konspirativ genutztes, urbanes Netzwerk von 201 einzelnen Strassen (die einen oder mehrere dieser ehemaligen Trefforte aufzeigen) und fast 500 einzelner geheimer Trefforte visualisiert. Davon liegen, wie Joachim Heinrich beschreibt, 60% der KW in privaten Wohnungen, 20% in Betrieben oder Institutionen und 20% in von der Stasi unter einem Vorwand angemieteten Wohnung. Wiederum andere Trefforte, die aufgrund von Umnummerierungen oder Gebäudeabrissen nicht mehr lokalisiert werden können, sind als visueller Leerraum (d.h. nicht länger repräsentierbar) in die Gesamtkartografie miteingefügt. Geordnet ist diese Gegenkartografie alphabetisch nach den Erfurter Stadtteilen, in denen einst aktiv genutzte, geheime Trefforte identifiziert werden konnten; innerhalb der Stadtteile werden diese Orte den jeweiligen Straßen anonym zugeordnet. Erst durch die Betitelung der Fotos kann zu den so genannten Tatsachendateien ein unmittelbarer Aktenbezug hergestellt werden.

Das visuelle Erscheinungsbild der konspirativen Trefforte verdeutlicht die Banalität der alltäglichen Herrschaftsausübung der SED-Diktatur. Dabei wird die Unsichtbarkeit der einst konspirativ genutzten Architektur durch das heutige Sichtbarmachen konterkariert, so dass die dokumentierten Trefforte als potentielle Erinnerungsorte fungieren können. Nahezu trivial und gewöhnlich erscheint dabei die Auswahl dieser ehemals geheimen Trefforte, die benötigt wurden, um den perfiden Kontrollapparat von innen heraus zu organisieren und die Überwachungsstrategien und Kontrollmechanismen des MfS zu stützen. Dem Betrachter offenbart sich ein organisatorisches und urbanes Netzwerk verschlüsselter Räume, die sich nun von sich selbst entfalten und jetzt und damals repräsentieren. Ziel der Visualisierung dieser Trefforte ist es, die Erinnerung an den MfS-Kontroll- und Überwachungsapparat mit bestimmten Stadtteilen, Orten, Straßennamen und Hausnummern in Verbindung zu bringen, die zwar alle noch existieren, (z.T. bereits umbenannt, verändert, verlassen, abgerissen), aber herkömmlich nicht als Teile der MfS-Überwachungsarchitektur erinnert werden.

Ziel dieser Visualisierung ist nicht, individuelle Trefforte hervorzuheben, sondern über die Darstellung in ihrer Totalität, sich dem einstig unsichtbaren Phänomen der Konspirativen Wohnungen anzunähern und so eindrucksvoll das ganze Ausmaß der konspirativen Überwachungsnetzwerke des MfS und den diesen Netzwerken zu Grunde liegenden pathologischen Überwachungswahn beispielhaft zu veranschaulichen. Die tatsächlich konspirativ genutzten Zimmer, Wohnungen oder sonstigen Objekte sind nie abgebildet, sondern lediglich die äußere Fassade. Die ehemaligen Trefforte des Verrats präsentieren sich heute als private Wohn- und Geschäftsobjekte. Die (Re-)Konstruktion der Verknüpfung obliegt dem Betrachter selbst.